Geschäftsadresse in den Niederlanden wählen: alle Optionen übersichtlich erklärt
Wenn Sie ein Unternehmen in den Niederlanden gründen, benötigen Sie eine Geschäftsadresse für die Eintragung bei der Handelskammer (Kamer van Kooph...
Seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hat die Europäische Union dreizehn Sanktionspakete gegen Russland verhängt. Dabei wurden über 400 Unternehmen und 1700 Personen auf die Sanktionslisten gesetzt, wodurch ihre europäischen Vermögenswerte eingefroren werden konnten. In den Monaten nach dem Einmarsch wurden viele Oligarchen auf die Liste gesetzt, die nach Ansicht der EU enge Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin unterhalten. Nach Beginn des Krieges in der Ukraine ergriff auch die niederländische Regierung Maßnahmen, um die Präsenz russischer Unternehmen in den Niederlanden zu erschweren. Doch die Aufsicht über diese Unternehmen fehlt laut einer Untersuchung des Financieel Dagblad.
Es hat sich gezeigt, dass immer mehr in den Niederlanden ansässige russische Unternehmen oder deren Vertreter unter anderem bei Adressdienstleistern (Domizildienstleistern) Unterschlupf suchen, um so der Kontrollradar der Regierung zu entgehen. Und dadurch glauben, eine Tarnung für Aktivitäten zu finden, die gegen die internationalen Sanktionen verstoßen.
Diese Unternehmen ziehen seit dem Krieg in der Ukraine durch die Niederlande, nachdem immer mehr Dienstleister ihre Zusammenarbeit mit ihnen beenden. Diese Unternehmen sind mehrfach umgezogen, weil professionelle Adressanbieter und Vermieter befürchten, internationale Sanktionen zu verletzen.
Es zeigt sich auch, dass mehrere Adressanbieter (sog. Domizildienstleister) ihre Kontrollen nicht im Griff haben und so unbeabsichtigt und ungewollt an der Verletzung internationaler Sanktionen mitwirken. So kann es vorkommen, dass bei einem Unternehmen in Zwolle mehrere GmbHs eingetragen sind, die mit einem sanktionierten Oligarchen verbunden sind.
Warum bemühen sich Russen noch, Unternehmen in den Niederlanden zu halten, wenn die strenger werdenden Gesetze und Vorschriften die Geschäftstätigkeit behindern? Das FD hat nach Antworten gesucht. Und muss dafür zuerst einen Schritt in der Zeit zurückgehen.
Bis 2021 war es keineswegs ungewöhnlich, dass Russen Unternehmen in den Niederlanden gründeten. Es handelte sich oft um Zwischenholdings oder Joint Ventures mit Vermögenswerten in Russland oder anderen Ländern. Der Hauptgrund dafür war ein steuerlicher: Ein Abkommen zwischen den Niederlanden und Russland sorgte für niedrigere Steuern bei der Ausschüttung von beispielsweise Dividenden. Die Verwaltung der niederländischen Unternehmen lag oft in den Händen von Treuhandgesellschaften, professionellen Parteien, die die Verwaltung und Bankgeschäfte für ihre Kunden regelten.
Diese übersichtliche Situation hat sich drei Jahre später geändert. Präsident Wladimir Putin kündigte Ende 2021 das Steuerabkommen auf, weil er nicht länger wollte, dass Geld durch Steuervermeidung aus Russland verschwindet. Und als Russland zwei Monate später das Nachbarland Ukraine überfiel, folgte eine Reihe von Sanktionsmaßnahmen der Europäischen Union gegen russische Oligarchen, Unternehmen und auch bestimmte Güter.
Um russische Geldströme in und nach den Niederlanden zu begrenzen, wurde zusätzlich von der Regierung ein Eilgesetz auf den Weg gebracht, das Treuhandgesellschaften verbietet, Russen weiterhin zu bedienen. Ein Teil der russischen Unternehmen verließ daraufhin die Niederlande oder löste sich auf. Wer blieb, musste eine neue Geschäftsadresse suchen.
Die Spur der Russen führt letztendlich zu einem Domizildienstleister in Zwolle, einem Anbieter von Post- und Geschäftsadressen für Unternehmen. Das ist keine Überraschung. Vor einem Jahr enthüllte das FD, dass einige Adressanbieter russischen Unternehmen helfen, die keine Treuhandgesellschaften mehr finden können. Der Großteil der russischen Ex-Treuhandkunden blieb dadurch einfach in den Niederlanden aktiv. Das Treuhandverbot scheint also wenig zu bewirken.
Laut Juristen hat sich die Aufsicht über die Russen und ihre Milliarden verschlechtert. Da Unternehmen unter dem Kontrollradar der Regierung verschwinden, könnten möglicherweise dennoch Aktivitäten stattfinden, die gegen internationale Sanktionen verstoßen. Viele Domizildienstleister scheinen ihre Kundenkontrollen nicht im Griff zu haben. Virtuelle Büros können daher eine leichte „Tarnung“ für kriminelle Aktivitäten sein, wie auch Corona-Hilfsbetrug und Drogenhandel (GwG-Vorschriften).
Auch Domizildienstleister sind verpflichtet, sich an die (inter-)nationalen Vorschriften und somit auch an die Sanktionen gegen Russland zu halten und müssen (potenzielle) Kunden ablehnen, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass Sanktionen verletzt werden könnten.
Postadres.nl wendet ein solides Kontrollmittel an, um (inter-)national sanktionierte Personen oder Unternehmen abzuwehren. Und bedauert, dass einige Adressdienstleister dies nicht tun und den Ruf unserer Branche schädigen.
Quelle: FD. Den vollständigen Bericht des Financieel Dagblad lesen Sie unter:
https://fd.nl/bedrijfsleven/1510846/russische-bedrijven-vinden-onderdak-bij-een-zwols-bejaardentehuis gift=2aC1o&utm_medium=social&utm_source=email&utm_campaign=earned&utm_content=20240327
Oder lesen Sie mehr über die internationalen (EU) Sanktionen:
https://www.consilium.europa.eu/nl/policies/sanctions/restrictive-measures-against-russia-over-ukraine/sanctions-against-russia-explained/
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